Posts

"Werf ich, jäh frei gekrallt aus meinem Leib..."

Bild
"...mein Herz, das Flammen facht! Und wo ich hintraf, steht ein großer Stern und leuchtet und ist ein tiefes Auge in der Nacht."
Nun könnte ich mich weiterhin darüber ärgern, durch die Schande der späten Geburt jenen Tagen lockende Blicke zuzuwerfen, in denen fidus'sche Bleistiftskizzen nicht für 6000€ verkauft wurden. Sicherlich, im Nachglanz treten die Bilder lockender hervor. Doch wäre man auch Jünger, ändert dies nichts daran, daß ich mich meiner wehleidigen Stimmung gar nicht erwehren möchte. Schließlich erwächst durch sie jene metastatische Leidenschaft, mit der nun hoch droben, den Fenstersturz wohl kalkuliert, verkündet wird:

Welt, ich besitze die umfangreichste Sammlung von Fidus Postkarten.

Welt, ich besitze vier verschiedene Auflagen des Fiduswerks von Arno Rentsch.

Welt, ich suche immer Wind, der mich zu Flammen schwellt.

Zumindest erinnert mich die Szenerie des Öfteren an die Subtilen Jagden, also wir, eine groteske Gruppe von Astronomen, die wenig voneinan…

Man kann sich heute nicht in Gesellschaft um Fidus bemühen...

Bild
...; man muß es einsam tun wie ein Mensch, der mit seinem Buschmesser im (schweizer) Urwald Bresche schlägt und den nur die Hoffnung erhält, daß irgendwo im Dickicht andere an der gleichen Arbeit sind. So würde es Edi Goetschel wohl formuliert haben, wäre er ein Freund Jüngers. Doch erdreiste ich mich nur und lege ihm diese Worte in den Mund. Das Zitat eignet sich nämlich hervorragend, um nicht nur auf eine wenig beachtete Veröffentlichung hinzuweisen, sondern ebenfalls zu bemängeln, wie wenig Resonanz Fidus in der kunsthistorischen Aufarbeitung der Gegenwart erfährt. Zweiteres ist jedoch ein Themenbereich, in dem ich mich nicht versuchen werde, weil mir das Rüstzeug schlicht fehlt. Bemängeln, wenn auch nur laienhaft, tue ich es trotzdem.  Das besagte Buch aus dem Griffel Herrn Goetschels, welches an dieser Stelle dem überschaubaren Publikum nahegelegt werden soll, thematisiert primär die Werbe-Illustrationen, die Fidus für Günther Wagner (Pelikan) fertigte, während er sich in der Sc…

Noch versargen die Blicke und bröckeln nach die Hände

Bild
Vor einigen Tagen erreichte uns Meldung aus Riga, genauer: Ein Mitglied der Leitungsgruppe der Freunde des Großen Friedhofs in Riga wies uns auf den stetigen Zerfall des Grabes der Familie Erhardt hin.  Das Grabrelief gehört zu den wenigen bildhauerischen Werken von Fidus und wurde ca. um 1906/1907 für die Familie entworfen. Bilder des Grabes bzw. des Reliefs waren indes nicht bekannt, ließen sich in den Weiten des Netzes nicht finden. Hingegen ist der Relief-Entwurf durch die Reproduktion als Kunstkarte und Großdruck weitläufig visualisierbar.  In der aktuellen Ausstellung in Woltersdorf findet sich zudem eine Entwurfs-Skizze für den gesamten Grabkomplex. Augenscheinlich entwarf Fidus also nicht nur das bekannte Relief, sondern bemühte sich vielmehr um ein stimmiges Gesamtkonzept der Grabstätte. 

Nun besteht die Hoffnung, eine Restauration herbeizuführen, das kulturelle Erbe zu schützen. Wie schwierig dieses Unterfangen ist, haben wir bereits in Woltersdorf erleben dürfen, wo sich d…

Von Tempelkunst und finanzieller Ungunst

Bild
Und wieder wird sie - die Kunstauktion - erbarmungslos um sich schlagen, all die kleinen Träume zerschmetternd, die man hie und da zusammenführen wollte, um das mosaik'sche Fiduswerk zu vervollständigen. Diesmal in Form eines Koffers, der den unfassbaren Schatz von 230 Diapositiven (Glasdias) enthält. Wir sprechen hier von jenen handbemalten Glasdias, die Fidus für seine Lichtbildvorträge nutzte, um sein höchstes Ziel, die Tempelkunst, zu bewerben. Und jener Koffer war es augenscheinlich, der, ausgehend von Woltersdorf, ein Vortrags-Netz durch die Lande spannte, Begeisterung, Verwunderung und gelegentliche Abscheu bei den zahlreichen Zuschauern zu erwecken vermochte. So sehr ich mich auch umnachteten Hoffnungen hingeben möchte, eine heldenhafte Gestalt könnte die veranschlagten 6000€ erübrigen und das gute Stück wieder der öffentlichen Meinung zuführen, so sicher bin ich mir leider, daß der Koffer samt seines Inhalts seine Reise ans Ende der Nacht antreten wird. 
Die Tragik: Über…

Vom Nutzen und Nachteil der Kunst-Auktion für das Leben

Bild
In zwei Tagen wird die rechts anstehende Studie "Genoveva" (1890) im Auktionshaus von Brühl versteigert werden. Die Chancen, das Bild wird in einem Archiv, einem Museum landen, oder in den Händen einer Person, der daran gelegen ist, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen - in welcher Form auch  immer -, stehen denkbar schlecht. So zeichnete sich in den vergangenen Jahren nicht nur ab, daß exorbitante Gewinne bei Versteigerungen eingefahren wurden, sondern auch, daß das Gros der angebotenen Werke seinen Weg nach Californien, Amerika, in die Hände eines Herren fand, der im großen Stil Werke aufkauft, um sie dann gegen ein Entgelt wieder an Museen zu verleihen. Inwiefern das für deutsche Museen überhaupt noch eine Möglichkeit darstellt - finanziell und den Lieferweg bedenkend -, entzieht sich meiner Kenntnis. Darum breitet sich auch eher ein Gefühl von Resignation aus, landet etwas von Fidus in den Auktionshäusern. Zudem gesellen sich seit Jahren klägliche Versuche meiners…

Der Untergang des Abendlandes

Bild
Während die einen auf der Pariser Konferenz von 1919 den japanischen Antrag ablehnten, der eine Gleichstellung aller Rassen im Völkerbund forderte, sah Fidus die Sachlage 17 Jahre zuvor schon etwas anders: "Elsa auf dem Balkone in Wilmersdorf. Das rote Gebälk hinzufantasiert sollte nicht >>japanisch<< sein, sondern einfach Holzstil. Die Ampeln waren japanisch, weil es noch keine geschmackvolle Papierkunst gab im Abendlande."  - Fidussche kulturelle Selbstkritk. 
*"Zwielichter" (1902)
Gunnar Finder / Eberswalde / postfaktischer 25.04.2018

Der Fidus-Verlag: Die Geschichte der Kunstkarten

Bild
Der folgende Text ist mittlerweile knapp 2 Jahre alt und wird vermutlich in einer abgeänderten Form seinen Einzug in eine Publikation finden. Aus Dokumentationszwecken sei hier das Original, welches ich letztlich nur für mich schrieb, gesichert. 
 Das „Lichtgebet“ ist zweifelsohne das bekannteste Werk, das Fidus schuf. So betonte Karlheinz Weißmann in einem Artikel über „Die Ikonen der Jugend“, welche empathische Wirkung das Bild zu damaligen Zeiten auf die Jugend ausübte. Folgerichtig subsumierte er die Sinntiefe der Darstellung durch die Schlüsselbegriffe: „Lebensglaube – Schönheit – Jugend.“ In den Jahren von 1890 bis 1938 entstanden so elf Fassungen des „Lichtgebets“ aus Fidus Hand, indessen er selbst bereits 1926 in einem Brief erwähnte, der ständigen Anfragen überdrüssig zu werden. Doch auch der Vertrieb von Duplikaten, welcher in Form der bekannten Drucke und Kunstkarten realisiert wurde, steigerte die Popularität zunehmend. So erklärt sich auch die Äußerung eines Pfarrers, der…